Mein persönlicher Ölzeugtest

Nach über 10 Jahren intensiver Nutzung war diesen Sommer neues Ölzeug fällig. Das hatte der letzten IJsselmeer Regenschauer allzu deutlich gemacht: Binnen Minuten weichte ich durch bis auf die Knochen.

Die Düsseldorfer Bootsmesse, sonst Anlaufpunkt für Deutschlands größte Ölzeugauswahl, war ausgefallen – hoch lebe also der Versandhandel: svb, awn und compass24 boten eine große Auswahl an Marken- und No-Name-Ölzeug an.

Zur persönlichen Anprobe landeten schließlich ein Skagen Set von Helly Hansen, ein Marinepool Offshore Set F2L, ein Gill Set OS24 und das Compass Tech Offshore Set der Compass Hausmarke in meinem Arbeitszimmer.

Marinepool, sonst von mir wegen eines guten Preis-Leistungsverhältnis oft geschätzt, fiel wegen zu weiter Hosenbeine schnell raus, in der Kombi ähnelte ich eher einem Wildwest Held als einem Seebär.

Ich hatte die Wetterkleidung nach den Gesichtspunkten Preis, Dichtigkeit, Atmungsaktivität – und ja, auch Farbe, ausgewählt. Der konservative Seemann steht nun mal mehr auf marineblau als auf die Trendfarben rot und anthrazit. Das bedeutete auch: Premium-Marken wie Musto blieben aus Budgetgründen leider in den Lagerregalen.

In der Preishierarchie hatte das Kompass Offshore Tech ganz klar die Nase vor, war es doch ca. 200,00 € günstiger als Gill und Helly Hansen, die im Set beide mit über 500,00 € zu Buche schlugen, wobei Gill den Geldbeutel gegenüber Helly Hansen um 40,00 € schonte.

Auch was den Tragekomfort anging, setzte sich das Offshore Tech deutlich von den beiden Konkurrenten ab: Es trug sich bedeutend leichter und war aus dünnerem Material gefertigt. Gill stellte das schwerste Ölzeug, Helly Hansen gab sich etwas leichter und atmungsaktiver, war aber doch schwerer und robuster als das Compass Material. Der Punkt „Leichtigkeit“ schreckte mich bei Compass aber dann doch ab: Ich hatte nicht das Vertrauen, dass dieses Ölzeug auch im Frühjahr und Herbst dicht und warm bleibt.

In Punkto Dichtigkeit mußte ich mich auf die Herstellerangaben verlassen: Einen Live-Test konnte ich nicht durchführen, schließlich sollten zwei von drei Sets wieder an den Versandhändler zurück gehen. Am hilfreichsten waren in dieser Hinsicht die Webseiten von Compass24: Sie attestieren dem Offshore Tech 20.000 mm Wassersäule Dichtigkeit über 24 Stunden, Helly Hansen 15.000 mm und Gill 30.000 mm, letzteres auf Kosten einer geringeren Atmungsaktivität von nur 12.000 g/qm gegenüber 15.000 g/qm bei Helly Hansen und Offshore Tech. Helly Hansen selbst platziert das Skagen Ölzeug auf seinen Webseiten auf einer Dichtigkeitsskala an Rang 5 von 6, macht aber keine Angaben zur Wassersäule, so daß sich hieraus kein Vergleich zu anderen Marken anstellen ließ.

Das Rennen gemacht, hat am Ende das Ölzeug von Gill: Ich segele auch im März und November. Als Hollandsegler sind in diesen Jahreszeiten Dichtigkeit und Wärmeschutz entscheidend, das hat mich überzeugt. Vom Tragekomfort war Helly Hansen besser, die Angaben zur Dichtigkeit waren mir aber nicht klar genug um Gill auszustechen, und die große aufgesetzte Taschen der Ölzeughose empfand ich eher als störend, denn als praktisch. Ein kritischer Punkt für Gill könnte bei einigen Probanden der Schnitt werden: Es ist schlanker geschnitten als Helly Hansen und die Compass Hausmarke, ich darf jedenfalls nicht mehr zunehmen…

Das Offshore Tech von Kompass ist sicher eine gute Wahl für Einsteiger, die überwiegend von Mai bis September segeln. Für diesen Zeitraum schien mir das Ölzeug sehr geeignet und der Preis von unter 300,00 € unschlagbar.

Meine Frau hat sich übrigens auch neu eingekleidet, und sich, obwohl sehr qualitätsberußt, für die Hausmarke von Decathlon (Tribord Offshore Damen) entschieden. Helly Hansen mit Skagen war hier ebenfalls zweitplatziert: Das übergroße HH Logo hat gestört und die Hose von Decathlon saß besser. Tja, und obwohl meine Frau viel fotogener ist als ich, gibt es an dieser Stelle keine Fotos von ihr.

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