Wissenswertes über den Bootskauf in den Niederlanden und angrenzenden Nordseestaaten

Wer ein Boot kaufen will, findet auf boat24.com zunächst ein sehr breites Angebot, nicht nur für den deutschen Markt. Die Webseite bietet gute Funktionalitäten, ich habe aber machmal mit den Filteroptionen gekämpft. Suchaufträge lassen sich speichern und vernünftig eingrenzen. Schade fand ich, daß sich nur einzelne Länder filtern lassen und keine kombinierten Optionen, wie z.B. Suche in Deutschland und den Niederlanden möglich ist.

Für den niederländischen Markt hatte botentekoop das breiteste Angebot. Botenbank scheint dort ebenso bekannt zu sein, es gibt viele Eigner, die in beiden Plattformen inserieren, ich persönlich kam aber mit botentekoop besser zurecht.

Mit zunehmender Recherchedauer stellte ich fest, daß es auf dem Gebrauchtbootmarkt ein deutliches Ost-West Gefälle gibt. Die Preiserwartung ist meiner Meinung nach in der Ostsee, und dort in Skandinavien am höchsten, reduziert sich um etwa 10% an der deutschen Nordseeküste und den Niederlanden und um weitere 10% im Vereinigten Königreich und der französischen Atlantikküste. Wer also bereit ist, die Mühen eines Überführungstörns auf sich zu nehmen, kann mit einem französischen oder englischen Boot durchaus Geld sparen. Über Videotelefonie kann sich der potentielle Eigner einen guten ersten Eindruck verschaffen und entscheiden, ob eine Besichtigung vor Ort lohnt.

Bootskauf Webseiten:

Deutschland:

www.boat24.com

www.inautia.de

Niederlande:

www.botentekoop.nl

www.botenbank.nl

UK:

www.boatsandoutboards.co.uk

https://uk.topboats.com

Frankreich:

https://www.annoncesbateau.com

https://www.bandofboats.com/fr

https://www.annonces-marine.com

https://www.bateaux24.com

Makler:

Sehr viele Boote in den Niederlanden werden über Makler verkauft. Das kostet in diesem Fall das Geld des Verkäufers und schlägt sich nicht unbedingt im Preis nieder. Die großen Makler verfügen über eigene Besichtigungsstege und es lohnt sich, gerade zum Start der Bootssuche, sich hier einen Überblick zu verschaffen. Oft liegen mehrere interessante Boote in einem Hafen und können direkt miteinander verglichen werden. Mir selbst hat das sehr geholfen und ich habe in kurzer Zeit einen guten Einblick darüber gewonnen, wie breit die Angebotspalette meiner Wunschboote in Bezug auf Preis und Erhaltungszustand war.

https://www.devalk.nl/

https://www.uwjachtmakelaar.nl/de/

https://forsailyachtbrokers.nl/de/angebot/

https://www.schepenkring.de/

https://www.scheepsmakelaardijgoliath.nl/

Sachverständige:

Ich selbst habe für den Bootskauf keinen Sachverständigen konsultiert. Für viele Bootskäufer ist dies jedoch sinnvoll: Ein Sachverständiger hat Erfahrung im Begutachten von Booten und kennt den Markt sehr genau. Neben einem systematischen Protokoll bekommt der Kaufinteressant Informationen über den Zustand des Riggs und Feuchtigkeit im Laminat. Das alles läßt sich mit Hausmitteln normalerweise nicht erfassen. Sogenannte „Ankaufgutachten“ sind zwischen 500,- € und 1.000,- € erhältlich. Über die HISWA oder die örtlichen Makler lassen sich leicht erfahrene Sachverständige finden.

Einen hundertprozentigen Schutz bieten auch Sachverständige nicht. Während meiner Bootssuche stieß ich auf eine X-36 bei der sich trotz Gutachtens nach dem Kauf eine undichte Rumpf-Deck Verbindung herausstellte. Der Käufer hatte Glück – er konnte nachweisen, daß der Schaden schon vor dem Kauf bestand und das Geschäft rückabwickeln.

Wer auf einen Sachverständigen verzichten will, dem empfehle ich sich eine umfangreiche Checkliste zu erstellen und diese Punkt für Punkt abzuarbeiten. Das dauert etwas, hilft aber den späteren Investitionsumfang genauer abzuschätzen und verhindert auch, daß man wichtige Punkte übersieht oder vergißt. Unverzichtbar ist auch ein zweites, kritisches Paar erfahrener Augen. Wer ein Boot kaufen will, wird sich natürlich dafür begeistern. Das verstellt dann aber oft den nötigen kritischen Blick.

Die Mehrwertsteuer:

Obwohl die Pflicht zum Mehrwertsteuernachweis auf einer EU Richtlinie basiert, sind die Verfahrensweisen je Staat sehr unterschiedlich. Klar geregelt scheint der Fall in den Niederlanden: Für alle mir angebotenen Yachten aus niederländischem Besitz, gab es ein einheitliches Zolldokument: „Verklaring voor een pleziervaartuig“. Der Zoll stellt dieses gelb hinterlegte DIN A-5 Dokument aus, das die Bezahlung der Mehrwertsteuer testiert. Damit ist bei einem niederländischen Boot die Sache klar: Existiert das kleine gelbe Zettelchen, ist alles bestens – wenn nicht, dann nicht. In Deutschland liegt die Sache anders: Ein Beamter des Zoll in Hamburg verwies mich an mein lokales Finanzamt: „Der Zoll interessiert sich nur für die Einfuhrumsatzsteuer. Sofern ein Boot aus Deutschland oder einem anderen EU-Land kommt, ist dies Sache des lokalen Finanzamtes.“ Zum Nachweis der bezahlten Mehrwertsteuer bedarf es keines speziellen Dokumentes. Auf der sicheren Seite ist, wer eine Original Rechnung mit Mehrwertsteuer Ausweis vorweisen kann. Ist dies nicht mehr möglich muß die ganze Angelegenheit mit dem lokalen Finanzamt geklärt werden. Das ist zuständig, kennt aber oft den rechtlichen Sachverhalt gar nicht und muß sich erst einmal schlau machen. In meinem Fall stieß ich zunächst auf Unverständnis: „Ein gebrauchtes Boot ist wie ein gebrauchtes Auto, da müssen Sie auch keinen Nachweis über die bezahlte Mehrwertsteuer führen.“ Erst ein Telefonat mit dem zuständigen Abteilungsleiter und der Verweis auf die EU Richtlinie 92/111/EWG führte zu einer entsprechenden Auskunft. Wer mit seinem Finanzamt eine Lösung findet, hat für den persönlichen Bootsbesitz erst einmal Ruhe. Schwierig wird es erst wieder, will man selbst zum Bootsverkäufer werden. Der neue Käufer muß dann wiederum den Fall mit seinem lokalen Finanzamt klären – Ausgang ungewiß.

In Frankreich gibt es, wie in den Niederlanden, eine einheitliche Bootsregistrierung. „Der französische Staat setzt für registrierte Boote eine bezahlte Mehrwertsteuer voraus“, erklärte mir ein französischer Eigner. „D.h. französische Gebrauchtbooteigner haben oft kein Original Mehrwertsteuerdokument.“ Die gute Nachricht für deutsche Bootskäufer ist, daß der französische Zoll als Registraturbehörde oft eine Kopie der Originalrechnung verwahrt und diese auf Anforderung des Eigners auch übermittelt.

Kürzlich stieß ich in einem anderen Blog auf folgenden Gastartikel eines Steuerberaters, der das ganze Thema noch einmal komplett auseinander genommen hat.

https://hafenkino.blog/nachweis-der-umsatzversteuerung-bei-schiffen/

Bootsunterhalt:

Neben den Kosten für den Bootskauf selbst, stellen sich bald die Fragen nach den laufenden Kosten für das Bootsvergnügen, wenn man den das Boot seiner Wahl gefunden hat. Ich habe zwischen drei Kostenkategorien unterschieden:

  1. Versicherung
  2. Liegeplatz
  3. Wartung und Unterhalt

Versicherungen:

Für die Kategorien 1. Und 2. Lassen sich relativ leicht Kostensätze ermitteln: Die Prämie für eine Bootsversicherung richtet sich primär nach dem Anschaffungswert, die Hafengebühr nach der Bootsgröße. Die niederländischen Bootsversicherungen (und ich glaube, auch die deutschen Anbieter) vereinbaren eine sog. „feste Taxe“, d.h. im Falle eines Totalschadens bekommt man nicht den Zeitwert, sondern den Anschaffungswert seines Bootes erstattet. Als Richtwert für die Versicherungsprämie sind 1% vom Kaufpreis eine gute Schätzung für die jährlichen Kosten. Über die Größe des versicherten Fahrtgebietes und die Höhe des Selbstbehaltes läßt sich ein gewisses Feintuning der Prämie betreiben.

In der Regel läßt sich auf den niederländischen Webseiten der Versicherer die potentielle Prämie genau berechnen, ohne daß man einen Vertrag abschließen muß.

Klar ist: Wer sein Boot in den Niederlanden versichert, tut dies nach lokalem Recht und Gerichtsstand in den Niederlanden. Viele Versicherer dort verfassen ihre Versicherungsbedingungen auch auf deutsch, Service in deutscher Sprache ist jedoch selten.

Wer eine deutsche Gesellschaft sucht, ist bei Pantaenius oder Yachtpool gut aufgehoben, zahlt aber oft eine im Vergleich höhere Prämie.

https://www.unigarant.nl/verzekeringen/watersport/

https://www.anwb.nl/verzekeringen/bootverzekering

https://www.eoc.nl/

Häfen:

Wer einen Hafen für sein Boot sucht, sollte für sich folgende Prioritäten entscheiden:

  • Kurze Anfahrt oder schönes Ambiente
  • Vereinshafen oder Professionelle Marina

Die schönsten Häfen liegen in den alten Handelsstädten aus dem „goldenen Zeitälter“ in Hoorn, Enkhuizen und Medemblik. Hier lebt die niederländische Historie und vor oder nach dem Törn bieten sich viele Gelegenheiten für einen Stadtbummel, Spaziergang oder kulinarische und kulturelle Angebote. Der Nachteil: Diese Städte liegen an der Ijsselmeer Westseite und die Anfahrt von Deutschland verlängert sich um 20 – 40 Minuten.

Markermeer, Ijsselmeer Süd- und Ostseite bieten ebenfalls ein großes Angebot an schönen und serviceorientierten Yachthäfen. Wer nicht lange im Auto sitzen will, findet im Ketelmeer und Kampen passende Angebote. Hier gibt es eine Reihe von Häfen, die sich von Düsseldorf aus in weniger als zwei Stunden erreichen lassen. Lelystad und Lemmer haben ab Düsseldorf Anfahrtszeiten von etwa zweieinhalb Stunden. Die dortigen Häfen sind meistens ehemalige Fischereihäfen, die Historie fällt mithin weniger prachtvoll aus, trotzdem gibt es auch hier sehr schöne, historisch erhaltene Ecken. Das Angebot für kulinarisches und Kultur ist auch hier vorhanden, aber halt etwas eingeschränkter als auf der Westseite. Eine Ausnahme bildet Lelystad: Diese Stadt ist erst mit der Eindeichung der ehemaligen Zuiderzee entstanden. Es gibt vier große Yachthäfen, die aber keinen direkten Bezug zur Stadt haben. Das Stadtzentrum von Lelystad liegt – für eine niederländische Stadt sehr ungewöhnlich – mehrere Kilometer vom Wasser entfernt. Diesen Umstand verdankt die Stadt ihrer Planung am Reißbrett und der Tatsache, daß der Namensgeber Robert Lely ein großer Ingenieur für das Eindeichen und Trockenlegen großer Wasserflächen war und mithin für Häfen wohl wenig übrig hatte. Bei der Planung von Lelystad verfolgte er die Absicht auch das Markermeer komplett trocken zu legen. Ein Plan, der Gott sei Dank nie in die Tat umgesetzt wurde. Mit der Batavia Werft hat die Stadt ein bißchen nachgeholt und wenigstens eine bemerkenswerte maritime Sehenswürdigkeit geschaffen. Trubel und Leben an der Wasserkante bleibt dort aber weiterhin Mangelware.

Die zweite Frage ist v.a. eine Kostenfrage: Vereinshäfen sind oft 10-20% günstiger. Der erste eigene Bootsliegeplatz wird trotzdem oft in einem professionellen Yachthafen liegen: Ein Platz in einem Vereinshafen ist in vielen Fällen nur über eine Warteliste zu bekommen, man muß also 1-2 Jahre Geduld haben, bevor es soweit ist. Das ist für Einsteiger auch nicht verkehrt: In den professionellen Marinas gibt es ein reichhaltiges Serviceangebot, das sich bei Bedarf nutzen läßt. Mit zunehmender Erfahrung, weiß der versierte Bootseigner dann, was er oder sie selbst erledigen kann und welche Serviceunternehmen nötig und für den eigenen Bedarf passend sind.

Ketelmeer & Kampen:

https://www.wsvhetkoggeschip.nl/

https://www.marinaschokkerstrand.nl/

Lelystad, Stavoren, Hindeloopen, Lemmer:

Makkum & Volendam:

https://marinamakkum.nl/home-2/

Warns:

https://jachthavendepyramide.nl/de/

https://roggebroek.nl

Urk:

https://www.havendiensturk.nl/home

Enkhuizen:

https://compagnieshaven.nl/de/

https://www.buyshaven.nl/homepage-duits

Hoorn:

Medemblik:

https://stadshavensmedemblik.nl/

Wartung und Unterhalt:

Dieser Posten läßt sich am schwierigsten kalkulieren. Je nach den Fähigkeiten und Zeitkontingenten des neuen Eigners und dem Zustand des neuen Besitztums ergibt sich eine breite Spanne möglicher Kosten. Wer sein Boot selbst poliert und mit neuem Antifouling streicht, spart schon einmal mehrere Hundert Euro. Eigner, die selbst einen Öl- und Filterwechsel plus den jährlich fälligen Impellerwechsel durchführen können und wollen, sparen noch einmal. Dazu kommt, daß die Wartungs- und Unterhaltskosten von Jahr zu Jahr stark schwanken können. Wird ein neues Großsegel oder neues stehendes Gut fällig, fallen auf einen Schlag 3.000 – 4.000 € an. Ein neuer Motor verschlingt gleich 10.000 – 15.000 €. Für die Sirius habe ich mir für diesen Block im Schnitt 3.000-4.000 € pro Jahr reserviert, für ein kleineres Boot wären es 2.000 € im Jahr gewesen.

In anderen Beiträgen ist geraten worden beim Bootskauf ein gewisses Budget für Anpassungen „übrig“ zu lassen. Ich kann das bestätigen: Obwohl die Sirius hervorragend gepflegt war, habe ich einen Genaker angeschafft, den Fäkalientank austauschen lassen und werde in diesem Winter noch die Matratze in der Eignerkabine austauschen. Im kommenden Winter wird dann ein neues Rigg fällig. Danach werde ich über neue Vorsegel nachdenken…

So, nun wünsche ich allen zukünftigen Bootskäufern eine erfolgreiche Suche und freue mich über die Zusendung weiterer Tips und Erfahrungen.

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